Die in der Stadt Reutlingen über die Biotonne gesammelten Bioabfälle bilden mit fast 20 Prozent einen großen Teil unserer häuslichen Abfälle: pro Person fallen jährlich rund 80 Kilogramm an. Das ist im Landesvergleich, mit 54 Kilogramm, eine beachtliche Menge und damit im Sinne der Wertstoffschöpfung sehr gut! Allerdings überschreitet der Fremdstoffgehalt des Reutlinger Bioabfalls bereits heute die Grenzwerte teils deutlich. Im Zuge der Novellierung der Bioabfallverordnung (BioAbfV) nun, werden die Anforderungen an die Qualität der Bioabfälle ab 01.05.2025 deutlich steigen. Um die künftigen rechtlichen Anforderungen einzuhalten, bzw. um eine Steigerung der Bioabfallqualität zu erreichen, startete im Januar 2025 eine Kampagne unter dem Motto „PLASTIKFREIER BIOABFALL! - MACHEN SIE MIT".
Organische Abfälle, die über die Biotonne gesammelt werden - Speisereste, Küchenabfälle und Gartenschnitt - sind wertvolle Rohstoffe. Aus ihnen werden wichtige Nährstoffe für die Landwirtschaft (z. B. Komposte) und umweltfreundliche Energie (z. B. Biogas) gewonnen. Bioabfälle ersetzen so die energieintensive Herstellung von Kunstdüngern sowie fossile Energieträger. Was gehört in die Biotonne?
Die Bioabfallverordnung regelt die Verwertung von Bioabfällen auf landwirtschaftlich genutzten Böden. Neben Anforderungen an die Behandlung und Aufbringung regelt sie auch die einzuhaltenden Grenzwerte für Fremdstoffe in den Bioabfällen. Im Zuge der jüngsten Novellierung wurden diese nun deutlich verschärft: ab einem Fremdstoffanteil von drei Prozent im angelieferten Bioabfall kann die Entsorgungsanlage ihre zusätzlichen Aufwendungen einer nachträglichen Fremdstoffabscheidung dem Verursacher in Rechnung stellen oder die Abfälle sogar zurückweisen.
Fremdstoffe in Bioabfällen sind z. B Restmüll, Metalle, Bauschutt und Plastik bzw. Kunststoffe aller Art. Auch sogenannte „kompostierbare“ Plastiktüten* (biologisch abbaubare Kunststoff-Sammelbeutel, wie sie im Handel angeboten werden) und -produkte gehören nicht in die Biotonne, da sie sich während der Verarbeitungsprozesse nur sehr langsam zersetzen und nicht vollständig biologisch abbauen. Was gehört nicht in die Biotonne?
Vor einer hochwertigen Verwertung der Bioabfälle müssen diese Fremdstoffe in den Anlagen aufwendig aus dem Bioabfall aussortiert werden. Technisch ist es allerdings nicht möglich, solche Fehlwürfe restlos zu entfernen. So können zu Mikroplastik zerfallene Plastiktüten nicht aus dem Kompost herausgesiebt werden und landen letzten Endes über die Ausbringung auf die Felder auch in der Nahrungskette.
Weil es sich bei Bioabfällen um einen wertvollen Rohstoff handelt, aber auch, um den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden, starten die TBR zu Beginn des neuen Jahres eine Kampagne zur Verbesserung der Qualität der Bioabfälle!
Ein wesentlicher Teil der Kampagne ist, neben der Aufklärungsarbeit, der flächendeckenden Einsatz von Detektionssystemen am Abfallsammelfahrzeug, die eine optische Kontrolle der Biotonnen ermöglichen. Dabei werden die Fremdstoffgehalte in den Biotonnen kontrolliert und dokumentiert. Die Detektionssysteme an den Abfallsammelfahrzeugen sind mit KI-basierten Kameras ausgestattet und können Fremdstoffe teilweise bereits vor, spätestens jedoch während des Schüttvorgangs erkennen.
In den ersten drei Monaten der Kampagne wurden, über an der Biotonne angebrachte Aufhänger, die betroffenen Haushalte über den ermittelten Fremdstoffgehalt ihrer Bioabfälle informiert: richtig befüllte Behälter erhielten einen grünen Aufhänger, der das korrekte Sammeln bestätigt; falsch befüllte Behälter erhielten einen gelben Aufhänger („gelbe Karte“), was bedeutet: hier ist noch Verbesserungsbedarf. Alle Behälter wurden in dieser Phase der Kampagne trotzdem geleert.
Die Bilanz der ersten Phase der Kampagne kann sich sehen lassen: während anfänglich noch 21% der kontrollierten Biotonnen Fehlbefüllungen aufwiesen, waren es zuletzt nur noch 11% der detektierten Behälter. Die Kombination aus Aufklärung und Kontrollen hat die Sammelqualität der Reutlinger Bioabfälle also bereits in dieser Phase der Kampagne deutlich verbessert!
In der nun folgenden Phase werden falsch befüllte Behälter nicht mehr nur mit einem gelben (Verwarnungs-)Aufhänger, sondern mit einem roten Aufhänger („rote Karte“) versehen.
Es gibt zwei Varianten dieser roten Aufhänger:
1. Werden die Fremdstoffe bereits vor dem Schüttvorgang entdeckt, bleibt die Tonne ungeleert stehen. Die betroffenen Haushalte müssen diese dann entweder von Hand nachsortieren und zur nächsten regulären Leerung wieder bereitstellen oder eine kostenpflichtige Sonderleerung (die fehlbefüllten Biotonnen werden separat entsorgt) durch die TBR beauftragen. Sonderleerungen finden mittwochs und freitags statt. Die Beauftragung einer kostenpflichtigen Sonderleerung muss am Vortag bis spätestens 11Uhr bei den TBR eingegangen sein.
2. Fallen die Verunreinigungen erst beim Schüttvorgang auf, ist die Tonne zwar geleert, im Rahmen eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens gemäß Abfallwirtschaftssatzung behalten sich die TBR jedoch vor, ein Bußgeld zu erlassen. Hierzu werden die betroffenen Haushalte, in den darauffolgenden Tagen schriftlich informiert.
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*Nach wie vor einer der häufigsten Fremdstoffe in Biotonnen sind die sog. „kompostierbaren“ Plastiktüten (biologisch abbaubare Kunststoff-Sammelbeutel), wie sie im Handel angeboten werden. Deshalb haben die TBR gemeinsam mit der Task-Force Klima und Umwelt das "Biotütle" für die Stadt Reutlingen eingeführt: laut Hersteller die wahrscheinlich umweltfreundlichste Tüte, die in Deutschland, komplett CO2-neutral hergestellt wird und zu 100% aus recyceltem, ungebleichtem, nassfestem und kompostierbarem Spezialpapier besteht. Sie kann, dank eines praktischen Henkels, mehrfach, z.B. als Trage- oder Einkaufstüte und erst später als Bioabfalltüte, zum Sammeln des Bioabfalls, verwendet werden. 20 Stück der „tütle“ sind bei den TBR, an der Rathausinformation und auf allen Bezirksämtern zum Selbstkostenpreis von 3 Euro erhältlich.